Warum eine eigene Karte essbarer Wildpflanzen – und warum mit OpenStreetMap-Tools?
Ich liebe es, mit offenen Augen spazieren zu gehen und plötzlich vor einer unerwarteten Beute der Natur zu stehen: eine Himbeerhecke, Brennnesseln für Pesto oder eine Schule voller Gänseblümchen. Doch damit aus Entdeckung ein sicheres Vergnügen wird, braucht es mehr als gute Augen: Dokumentation, Überprüfung und ein planbares Vorgehen. OpenStreetMap (OSM) und die dazu kompatiblen Smartphone‑Tools bieten mir die Möglichkeit, eine persönliche, mobile und teilbare Karte meiner Fundorte zu erstellen – unabhängig von kommerziellen Kartenanbietern und flexibel an meine Bedürfnisse anpassbar.
Vorüberlegungen: Sicherheit, Recht und Nachhaltigkeit
Bevor ich überhaupt den ersten Punkt auf der Karte setze, halte ich drei Grundsätze fest:
Welche Tools ich nutze (Kurzliste)
Ich kombiniere mehrere Tools, weil jedes seine Stärke hat:
Schritt‑für‑Schritt: Meine Methode, eine sichere Karte zu erstellen
Ich erkläre hier meinen Arbeitsfluss, den ich bei fast jedem Spaziergang anwende.
1. Vorbereitung
Ich lege vor dem Spaziergang eine uMap-Karte an (https://umap.openstreetmap.fr). Dort erstelle ich eine neue Ebene „Essbare Wildpflanzen – Mein Spaziergang [Datum]“ und wähle ein passendes Symbol‑Set (Beeren, Pilz, Blatt u.Ä.). In den Karteneinstellungen stelle ich die Karte so ein, dass sie sich leicht als KML/GeoJSON/G PX exportieren lässt.
2. Vor Ort: sorgfältig beobachten und dokumentieren
Im Feld benutze ich mein Smartphone in Flugmodus (wenn ich Empfang sparen will) und eine der folgenden Strategien:
Wichtig ist, ausreichend Fotos zu machen: Blattunterseite, Blüte, Frucht, Habitus (gesamte Pflanze) und Habitat. Ich schreibe kurze Notizen zu Standort (z. B. „Waldrand, halbschattig, Boden feucht“), Erntehinweis (nur reife Früchte) und eventuellen Allergierisiken.
3. Prüfung der Bestimmung
Zuhause lade ich alle Bilder in iNaturalist hoch oder poste sie in einer vertrauenswürdigen Kräutergruppe. Die Kombination aus Fotos, Standort und Community‑Feedback gibt mir mehr Sicherheit als eine einzelne App‑Bestimmung. Wenn die Bestimmung unsicher bleibt, markiere ich den Punkt in meiner Karte als nicht zum Essen empfohlen.
4. Anlegen und Strukturieren in uMap
Für die langfristige Nutzung und fürs Teilen nutze ich uMap:
5. Exportieren und mobil nutzen
uMap erlaubt den Export als GeoJSON/KML. Ich exportiere meine Ebene als GPX und importiere sie in OsmAnd oder Locus Map. Dort kann ich die Markierungen offline ansehen, Routen planen und während des Spaziergangs navigieren. Alternativ speichere ich Kartenbereiche in MAPS.ME, wenn ich ein sehr einfaches Offline‑Tool bevorzuge.
6. Teilen und dokumentieren
Wenn ich möchte, teile ich meine uMap‑Karte mit Freunden oder der Community. Ich achte dabei auf sensible Inhalte und entferne genaue Punkte seltener Pflanzen. Für den Blog schreibe ich kurze Hinweise und verlinke die Karte, ohne präzise Standorte von gefährdeten Arten zu veröffentlichen.
Praktische Tipps und Feinheiten
Tabelle: Meine bevorzugten Tools und wofür ich sie nutze
| Tool | Zweck |
|---|---|
| uMap | Persönliche Karte, Layer, Teilen, Export |
| iNaturalist / PlantNet | Bestimmung & Community‑Feedback |
| OsmAnd / Locus Map | Offline‑Navigation, GPX‑Import, Anzeige der eigenen Punkte |
| Overpass Turbo | Prüfen von Wegen, Schutzgebieten und OSM‑Daten |
| Externer GPS‑Logger | Genauere Wegpunkte (optional) |
Häufige Fehler, die ich gelernt habe zu vermeiden
Ein paar persönliche Rotweinsprüche aus dem Feld
Wenn ich eine neue Karte anlege, mache ich das wie ein kleines Forschungsprojekt: neugierig, systematisch und mit Respekt. Manchmal sind es banale Dinge – eine Brombeere oder eine Blattrolle voller Vogelmännchen – die meinen Spaziergang besonders machen. Und oft ist das Dokumentieren selbst schon Teil des Genusses: genauer hinschauen, notieren, teilen und so anderen die Freude an der Natur weitergeben.
Wenn du willst, kann ich in einem nächsten Beitrag zeigen, wie du eine uMap‑Vorlage zum Herunterladen bereitstellst oder wie man eine GPX‑Datei so formatiert, dass OsmAnd sie optimal anzeigt. Schreib mir gerne, welche Pflanzen du häufig findest – vielleicht mache ich eine Beispielkarte mit meinen Lieblingsfundorten (anonymisiert und verantwortungsvoll).